Sie schmückten den großen Saal des Hamburger Rathauses und hingen in renommierten Museen wie dem Grassi in Leipzig oder dem Folkwang in Essen. Zu DDR-Zeiten waren sie Gastgeschenke mit großer künstlerischer Qualität für hochgestellte Persönlichkeiten. Die Freester Fischerteppiche galten lange als Luxusartikel und sind nach der Wende wie so vieles in Vergessenheit geraten.
In diesen Wochen präsentiert die Universität Greifswald in einer Ausstellung den künstlerischen Nachlass des Erfinders der Fischerteppiche, Robert Stundl, zu dessen 110. Geburtstag.
Stundl, von Geburt her Österreicher, zog aufgrund einer Initiative des damaligen Landrates 1923 an die Ostsee. Damals war die Fischerei in der Ostsee wegen drohender Überfischung unmöglich, und man suchte eine sinnvolle Tätigkeit für die Fischer, um diesen ein Auskommen zu sichern. Da das Knüpfen von Netzen sich nicht allzusehr vom Teppichknüpfen unterscheidet, war die Idee, ein Teppichgewerbe aufzuziehen, gleichwohl originell und naheliegend. Anstatt jedoch orientalische Muster zu verwenden, entwickelte Stundl in der Region verwurzelte Motive wie Wellen, Fische, Möwen und Anker zu geometrischen Formen für die Teppiche. In wenigen Jahren entwickelte sich aufgrund dieser als Massnahme zur Arbeitsbeschaffung gedachten Tätigkeit eine erfolgreiche Genossenschaft – Ende 1932 gab es schon über 100 Knüpfstühle im Greifswalder Umland. Bis 1972 leitete Robert Stundl selbst die bis dahin erfolgreiche “Produktionsgenossenschaft des Handwerks” (PGH) unter dem Namen “Volkskunst an der Ostsee”. Nach seinem Ausscheiden kam der Niedergang, 1990 nach der Wende kam das Aus.
Heute führen noch zwei Knüpferinnen das Handwerk in Eigenregie weiter. Bei Galerien und Teppich-Liebhabern sind ihre Freester Fischerteppiche begehrt.
Verfasst von service in Ostseeküste, Sehenswertes, Vorpommern

